Über die Marke
Die Marke zeigt auf beigem Hintergrund ein Reiterstandbild von Mustafa Kemal Atatürk in schwarz-weiß. Der Nominalwert beträgt 25 Kuruş. Kuruş bedeutet auf Deutsch „Kreuzer“. Es handelt sich um eine Untereinheit der türkischen Lira. 100 Kuruş sind 1 Lira. Nach aktuellem Wechselkurs (im April 2023) entsprechen 25 Kuruş etwa 1 Euro-Cent. Allerdings stammt die hier abgebildete Marke aus dem Jahr 1972, ist also mehr als 50 Jahre alt. Damals dürfte der Nominalwert umgerechnet deutlich mehr wert gewesen sein.
Weiterhin trägt die Marke den Aufdruck „TÜRKİYE CUMHURİYETİ“, was „Türkische Republik“ bedeutet. „Posta“ ist das türkische Wort für „Post“, Ankara der Name der Hauptstadt der Türkei. Dort ist die Marke wohl auch hergestellt worden und zwar von „Ajans-Türk“, wörtlich übersetzt „Agentur Türk“ – die Bezeichnung für die Stelle, die die türkischen Briefmarken druckt.
Wer war Mustafa Kemal Atatürk?
Mustafa Kemal Atatürk war ein türkischer Offizier und Staatsmann, der als Gründer und erster Präsident der Republik Türkei von 1923 bis 1938 amtierte. Er wurde am 19. Mai 1881 in Selanik (heute Thessaloniki) geboren und starb am 10. November 1938 in Istanbul. Atatürk ist bekannt für seine Reformen, die die Türkei in eine moderne und säkulare Nation verwandelten.
Atatürk wurde im Osmanischen Reich geboren und trat im Alter von 13 Jahren in eine Militärschule ein. Er kämpfte im Ersten Weltkrieg und wurde zum General befördert. Nach dem Krieg war er ein führender Befürworter der Unabhängigkeit der Türkei und führte die türkischen Streitkräfte im Befreiungskrieg gegen die Alliierten an.
Anschließend wurde Atatürk zum ersten Präsidenten der Republik Türkei gewählt. Er führte eine Reihe von Reformen durch, um die Türkei zu modernisieren und zu säkularisieren. Dazu gehörten die Abschaffung des Kalifats, die Einführung eines neuen zivilen Gesetzbuchs, die Einführung des lateinischen Alphabets und die Trennung von Religion und Staat.
Atatürks Reformen hatten einen großen Einfluss auf die türkische Gesellschaft und Politik. Sie führten zu einer Modernisierung der Wirtschaft und Gesellschaft sowie zu einer Stärkung der Demokratie. Atatürks Vision einer modernen Türkei hat bis heute Bestand und ist ein wichtiger Teil der türkischen Identität.
Zur Geschichte der Marke
Atatürk wurde zu Lebzeiten und wird bis heute als Held und Vater der Nation verehrt. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass ihm viele Reiterstandbilder gewidmet wurden. Ein bekanntes Beispiel ist das Atatürk-Siegesdenkmal in Ankara, das vom österreichischen Bildhauer Heinrich Krippel entworfen wurde. Die Darstellung auf der Briefmarke ist dem Reiterstandbild Atatürks in Bursa südlich von Istanbul sehr ähnlich.

Als die Marke 1972 gedruckt wurde, befand sich die Türkei schon seit längerem inmitten einer Phase der Instabilität. Die politische Situation war geprägt von einer Demokratisierung, aber auch von stark wechselnden Mehrheiten, Neuwahlen, Partei-Neugründungen und dem Einfluss des Militärs. Nachdem das Militär 1960 geputscht hatte, wurde İsmet İnönü Ministerpräsident, ein bereits 76-jähriger Weggefährte Atatürks, der ihm von 1938 bis 1950 schon als Präsident nachgefolgt war. Er regierte bis 1965.
1963 wurde als Nachfolgepartei der nach dem Putsch verbotenen Demokrat Parti (DP) die „Gerechtigkeitspartei“ AP (Adalet Partisi) gegründet. Bei der Wahl am 1965 schaffte außerdem die kommunistische „Arbeiterpartei der Türkei“ TİP (Türkiye İşçi Partisi) den Sprung in das Parlament. Sie gehörte damals zu den wenigen Parteien, die öffentlich die Kurdenproblematik ansprachen. Wahlsieger war jedoch Süleyman Demirel und seine AP mit 52,9 % der Stimmen. Gegen Ende der 1960er nahmen linke und rechte Terror-Aktivitäten zu und die Wirtschaftslage verschlechterte sich rapide. Die als faschistoid geltende Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) trat mit ihrer Organisation Graue Wölfe hervor.
Am 12. März 1971 griff das Militär erneut ein, allerdings ohne zu putschen. Es forderte Reformen und die Bekämpfung der Terrorakte. Demirel trat als Ministerpräsident zurück und das Land wurde vom 22. Mai 1972 bis zum 26. Januar 1974 von parteilosen Ministerpräsidenten und Technokratenregierungen gelenkt. Veränderungen an der Verfassung von 1961 wurden zu repressiven Maßnahmen gegen die Bevölkerung genutzt.
Die Wahl des Reiterstandbildes von Atatürk als Briefmarkenmotiv ist vor diesem Hintergrund zu sehen. Zum einen war Atatürk als Staatsgründer für die meisten Türken eine Identifikationsfigur, hinter der sie sich versammeln konnten. Zum anderen konnte sich die Regierung durch die Wahl dieses Motivs auch in die Tradition Atatürks stellen. Das Motiv steht für die Verbundenheit der Bevölkerung mit ihrer Regierung, für Tatkraft und Durchsetzungsstärke – alles Eigenschaften, an denen es der Regierung 1972 eher fehlte.

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